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Die Geschichte der
Lügensteine |
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Die Geschehnisse um Dr. Johann Bartholomäus Adam Beringer und seine Lügensteine im Würzburg des frühen 18. Jahrhunderts werden bestimmt bis zum Ende einer historischen Wissenschaftsbetrachtung als die berühmteste Fossilfälschungsaffaire in den Büchern verankert bleiben. Wohl alle angehenden Geowissenschaftler bekommen diese Kriminalgeschichte erzählt – leider meistens falsch. Im Jahr 1725 wurden Dr. Beringer, der zum einen Leibarzt des Fürstbischofs und Chef des renommierten Julius-Spitals, zum anderen Professor für Medizin an der Universität Würzburg war, Fossilfälschungen aus lokalem Kalkstein in ziemlich ungewöhnlicher „Erhaltung“ überbracht. Es gab Vögel mit ihren Eiern, Schnecken und Muscheln, in denen scheinbar der Weichkörper erhalten blieb, Spinnen, die noch in ihrem Netz saßen, oder auch Blüten, die gerade von Insekten besucht wurden. Daneben „fand“ man immer kuriosere Objekte wie Kometen mit Schweif, Sonnen mit menschlichen Gesichtern und schließlich sogar Platten mit hebräischen Schriftzeichen. Beringer sammelte im Sommer und Herbst 1725 angeblich 2.000 davon und verfasste eine lateinische Monographie über diese Stücke, die im Mai 1726 unter dem (Kurz-) Titel „Lithographiae Wirceburgensis“ veröffentlicht wurde und jetzt erstmals als Nachdruck vorliegt. Auf 21 Kupferstich-Tafeln sind dort 204 Exemplare abgebildet und in 14 Kapiteln interpretiert. Angeblich ließen zwei seiner Universitätskollegen, der Mathematiker Roderique und der Bibliothekar und Geheimrat Eckhart, drei junge Burschen aus Eibelstadt diese Fälschungen von Versteinerungen herstellen. Aber ein etwas genauerer Blick in die Lithographiae Wirceburgensis , ein etwas sorgfältigeres Studium der Archivunterlagen, vor allem aber ein detaillierter Blick auf die Corpora Delicti selbst deutet an, dass das Geschehen damals nicht so simpel ablief. Die drei Burschen haben anscheinend die Stücke nur überbracht. Und der in den Legenden üblicherweise als Hauptverdächtigter gehandelte Roderique war damals noch gar nicht in Würzburg. Erst im März 1726 wurden Beringer im Beisein des Fürstbischofs und vieler Würzburger Honoratioren von Roderique nachgemachte Lügensteine öffentlich am "Fundort" in Eibelstadt präsentiert – und so flog der ganze Schwindel auf. Wer hat nun Beringers 2.000 Lügensteine hergestellt? Die Geschichte bleibt rätselhaft, aber vieles deutet darauf hin, dass Beringer um die Herkunft der Lügensteine Bescheid gewusst haben muss ( Niebuhr & Geyer 2005). Ob es jemals diese große Anzahl gab, ist aufgrund des kurzen Herstellungszeitraumes anzuzweifeln, aber 1.000 Lügensteine mögen es ursprünglich gewesen sein. Heute sind noch 434 Lügensteine in 15 nationalen und internationalen Sammlungen zu bewundern; von 59 verschollenen Exemplaren existieren Fotos: 127 Exemplare und 53 Fotos – Mainfränkisches Museum Würzburg; 54 Exemplare – Naturkunde-Museum Bamberg; 21 Exemplare – Universität Erlangen; 16 Exemplare – Naturhistorisches Museum Schloss Bertholdsburg Schleusingen; 10 Exemplare – Museum Waldenburg; 6 Exemplare – Teylers Museum, Haarlem, Niederlande; 4 Exemplare und 1 Foto – Bayerische Staatssammlung München; 3 Exemplare – Historischer Verein Bamberg; 3 Exemplare – Mörike-Archiv, Marbach am Neckar; 2 Exemplare – Museum of the History of Science, Oxford , U.K. sowie jeweils 1 Exemplar in der Universität Jena, der Universität zu Köln, dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und dem Landesmuseum Joanneum, Graz, Österreich. zu beziehen vom Verein Johann Bartholomäus Adam Beringer & Georg Ludwig Hueber . Lithographiae Wirceburgensis. Nachdruck der 1. Auflage von 1726. Beringeria Sonderheft 5 , Teil I: 114 Seiten, 22 Tafeln; Würzburg 2005. Gebunden, 45,-- € (plus Versandgebühren). Birgit Niebuhr & Gerd Geyer . Beringers Lügensteine: 493 Corpora Delicti zwischen Dichtung und Wahrheit. Beringeria Sonderheft 5 , Teil II: 188 Seiten, 506 Figuren, 1 Tabelle; Würzburg 2005. Gebunden, 25,-- € (plus Versandgebühren).
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